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„Finanzielle Bildung ist eine Lebenskompetenz“

Text von Nadja Christ
02.06.2026
Vermögen
10. Jahrgang der Leibnizschule in Frankfurt-Höchst | © Janina Reiber

10. Jahrgang der Leibnizschule in Frankfurt-Höchst, Foto: Janina Reiber

Geld, Steuern, Versicherungen – aber bitte verständlich: Die Bethmann Bank Stiftung hat an der Leibnizschule in Frankfurt ein Pilotprojekt zur finanziellen Bildung durchgeführt. Vorstandsmitglied Tarek Hegazy erklärt, warum der Workshop mehr ist als ein Banktermin.

Herr Hegazy, was haben ein E-Roller-Unfall und Altersarmut gemein – und warum sprechen Sie darüber mit Schülerinnen und Schülern einer 10. Klasse?

Beides hat mit Geld und Verantwortung zu tun: Beim E-Roller-Unfall geht es um Haftpflicht, Versicherungen und damit um sehr reale Risiken, die zahlreiche Jugendliche Tag für Tag eingehen. Altersarmut hingegen ist ein Thema, dass zunächst für die meisten Jugendlichen noch weit weg zu sein scheint – doch sie ist das Ergebnis vieler kleiner Finanzentscheidungen, die manchmal schon in jungen Jahren getroffen werden. Wenn Jugendliche verstehen, wie Geld, Absicherung und Vorsorge zusammenhängen, fällt es ihnen leichter, ihr Geld langfristig und nachhaltig einzusetzen. Deshalb hat die Bethmann Bank Stiftung das Pilotprojekt Financial Education ins Leben gerufen.

Sie testen es gerade mit einem 10. Jahrgang der Leibnizschule in Frankfurt-Höchst. Wie ist das Projekt aufgebaut?

In drei 90 minütigen Workshops erarbeiten wir zusammen Antworten auf Fragen, wie zum Beispiel: Was ist Geld? Wie funktionieren Steuern? Welche Versicherungen brauche ich? Kolleginnen und Kollegen aus der Bank bringen ihr Fachwissen ein und wenden es auf alltagsnahe Beispiele für die Jugendlichen an. Letzteres ist uns besonders wichtig.

Das heißt also, die Inhalte der Workshops kommen nicht nur aus der Bank, sondern auch von den Schülerinnen und Schülern?

Ja, genau. Die Schule hat uns zunächst einen Katalog mit Fragen der Jugendlichen geschickt – von „Wie eröffne ich ein Konto?“ bis „Welche Versicherungen brauche ich wirklich?“. Darauf aufbauend haben Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Bereichen der Bethmann Bank eine Präsentation erstellt. Nach jedem Termin holen wir strukturiertes Feedback ein und passen Inhalte und Niveau gemeinsam mit dem Lehrpersonal an. 

Das Pilotprojekt zur finanziellen Bildung bedeutet uns sehr viel, weil wir auf diese Weise eine Chancengleichheit auf eine gut investierte Zukunft für all unsere Schülerinnen und Schüler herstellen können. Viele haben aus unterschiedlichen Gründen oft nicht die Möglichkeit, von ihren Eltern an diese Themen herangeführt zu werden.
Janina Reiber, Pädagogische Leitung an der Leibnizschule Frankfurt-Höchst

Viele stellen sich Bankberater im Anzug mit Krawatte vor, Gen Z ist eher im Hoodie unterwegs. Wie sorgen Sie dafür, dass diese Welten im Klassenraum gut zusammenfinden?

Uns war von Anfang an wichtig, nicht im klassischen Bank-Look aufzutreten und keinen langweiligen Frontalvortrag zu halten. Stattdessen arbeiten wir viel mit Beispielen aus dem Alltag der Jugendlichen – vom E Roller bis zum Minijob. Unser Ziel ist es, ein Gespräch im Klassenzimmer zu führen und keinen förmlich-steifen Banktermin zu absolvieren.

Warum gehört finanzielle Bildung unbedingt in die Schule?

Wir stehen als Gesellschaft an einem Scheideweg: Altersarmut, Inflation und Schulden sind Themen, die junge Menschen bewegen. Dennoch kommen sie im Unterricht aber nur am Rand vor, weil das Schulsystem stark belastet ist. Hinzu kommt: Zu Hause ist Geld oft ein Tabuthema, über das nicht offen gesprochen wird. Wenn wir in der Schule früh Denkanstöße geben, verlieren Geldfragen ihren Schrecken und Jugendliche können selbstbestimmter Entscheidungen treffen. Finanzielle Bildung ist eine Lebenskompetenz und darf keine Frage der Schulform oder Herkunft sein – alle jungen Menschen brauchen sie.

Was auffällt: Die Mehrheit der Workshopteilnehmer sind Schülerinnen. Spielt das eine Rolle bei Ihrer Themenauswahl oder Vorbereitung?

Nein, inhaltlich spielt es keine Rolle, aber selbstverständlich ist finanzielle Unabhängigkeit von Mädchen und jungen Frauen ein großes gesellschaftliches Thema. Stichworte: Altersarmut oder Abhängigkeit. Darüber hinaus hat das Thema finanzielle Bildung für Jugendliche aus Familien mit Migrationshintergrund einen hohen Stellenwert, weil sie häufig mit besonderen Herausforderungen konfrontiert sind und daher mehr Unterstützung bei diesem Thema benötigen.

Geld verliert immer mehr an Wert. Umso wichtiger ist es zu wissen, wie man es nutzen sollte. Mir persönlich hat das Projekt die Augen geöffnet und mich weitergebracht. 
Lennox, 17 Jahre

Wie reagieren die Jugendlichen auf Themen wie Steuern, Versicherungen oder Lohnabrechnung – eher gelangweilt oder neugierig?

Erstaunlich neugierig. Beim ersten Workshop waren alle nervös – wir genauso wie die Schülerinnen und Schüler. Aber über konkrete Beispiele, die wir erzählt haben, kamen schnell viele Fragen auf und es wurde rege diskutiert. Wichtig ist, niemanden zu verlieren und immer wieder zu zeigen: Finanzen – das hat direkt mit deinem Leben zu tun.

Wie haben Sie die Lehrkräfte erlebt?

Als sehr engagiert. Zwei Lehrerinnen und die Schulsozialarbeiterin waren von Anfang an dabei. Spannend war, dass viele Lehrkräfte meinten, das Programm wäre eigentlich auch für sie selbst sinnvoll. Daran lässt sich gut erkennen, wie relevant das Thema Finanzen für jeden Menschen ist – unabhängig vom Alter.

Welche Verbindung sehen Sie zwischen finanzieller Bildung und Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit heißt für mich, früh Akzente zu setzen, damit etwas langfristig besser wird. Das gilt für Klima und Ressourcen, aber auch für die eigene finanzielle Stabilität. Der Claim der Bethmann Bank „Banking for better, for generations to come“ meint genau das: Wir wollen kommende Generationen gut auf die Zukunft vorbereiten. Mit der Bethmann Bank Stiftung verbinden wir dieses Verständnis von Verantwortung mit dem Alltag junger Menschen. Bankmitarbeitende geben ihr Wissen pro bono weiter. Dieser Wissenstransfer macht Jugendliche handlungsfähiger und ist damit ein wichtiger Baustein für soziale Nachhaltigkeit.

Wie geht es nach dem Pilotprojekt Financial Education weiter?

Unser Ziel ist es, aus den Modulen eine Art Werkzeugkasten zu entwickeln, auf den Lehrkräfte in allen deutschen Bethmann-Bank-Standorten zugreifen können. Wenn das Feedback weiterhin so positiv bleibt, wollen wir das Format gemeinsam mit Kooperationspartnern schrittweise ausrollen – und so perspektivisch viele weitere Jugendliche erreichen.

Zur Person
Tarek Hegazy ist seit zwei Jahren Philanthropie-Spezialist bei der Bethmann Bank und seit einem Jahr Vorstandsmitglied der Bethmann Bank Stiftung. Der 40-Jährige entwickelt Projekte, die gesellschaftliches Engagement und finanzielle Expertise verbinden – darunter das Mentoringprogramm zur finanziellen Bildung an Schulen. 

Tarek Hegazy  | © Sarah Kastner Fotografie
Tarek Hegazy
Foto: Sarah Kastner Fotografie

6,95 Prozent
der unter 30-Jährigen in Deutschland sind überschuldet. 
Quelle: Schuldneratlas Deutschland 

25 Prozent
der 20- bis 29‑Jährigen fühlen sich beim Thema Altersvorsorge unsicher, weil Schule sie nicht darüber informiert hat.
Quelle: Deutsches Institut für Altersvorsorge GmbH

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