Grün, grün, grün ist bald ganz Paris
Foto: Belvédère du Grand Paris / Copyright: Laurent Villeret_Societe des grands projets
Autofreie Straßen, begrünte Plätze und neue Stadtwälder – Paris hat sich neu erfunden und ist zum Vorbild der nachhaltigen urbanen Transformation geworden. Wie hat die Metropole das geschafft? Und was können andere Städte von ihr lernen?
Wer lange nicht in Paris war, dürfte beim nächsten Besuch ins Staunen kommen. In den vergangenen Jahren ist die Stadt grüner, fahrradfreundlicher und ihre Luft deutlich sauberer geworden. Zwischen Place de la Concorde, Seine, Place de la République und Oper ist eine rund 5,5 Quadratkilometer große verkehrsberuhigte Zone entstanden. Fast überall dürfen Autos nur noch mit Tempo 30 fahren, auf der Stadtautobahn gilt Tempo 50. Die Parkgebühren für SUVs wurden verdreifacht. Rund 300 an Schulen vorbeiführende Straßen sind komplett autofrei. Es gibt mehr als 200 begrünte Straßen, 500 weitere sollen hinzukommen. Das Seine-Ufer ist Liegestühlen vorbehalten, Sprühnebelanlagen sorgen für ein angenehmes Klima. Und vor dem Rathaus sowie auf der Place de la Catalogne, einem ehemaligen Verkehrsknotenpunkt, wurden Stadtwälder gepflanzt, die in heißen Sommern Kühle bringen.
Paris: handeln für künftige Generationen
Dass ausgerechnet die französische Hauptstadt zum Klimavorbild geworden ist, liegt auch daran, dass der Handlungsdruck hier besonders hoch war. „Die Stadt ist sehr dicht besiedelt – auf derselben Fläche wie in der Berliner Innenstadt leben in Paris doppelt so viele Menschen“, erklärt Burkhard Horn, der in der deutschen Hauptstadt als Berater für nachhaltige Mobilität arbeitet und mehr als 25 Jahre als Verkehrsplaner in kommunalen Verwaltungen tätig war. „Dadurch waren auch die Belastungen im Bereich Luftqualität und bei anderen Umweltaspekten deutlich höher als in manchen anderen großen Städten.“ So habe die Stadt viel Nachholbedarf gehabt, jahrzehntelang wurde nicht viel auf ein angenehmes Stadtklima gegeben – nun wurde in verhältnismäßig kurzer Zeit sehr viel erreicht.
Das Gesicht dieses Wandels ist Anne Hidalgo. Die Politikerin der Parti Socialiste war bis März 2026 zwölf Jahre lang Bürgermeisterin der Stadt. Sie legte den Fokus auf den Ausbau von Radwegen, sperrte das untere Seine-Ufer für Autos und führte strengere Tempolimits ein. „Wir stecken inmitten einer Phase des Wandels. Und was in dieser Phase am schwierigsten ist: Das ist, dass wir unsere Gewohnheiten ändern müssen“, sagte Hidalgo 2019 gegenüber dem Fernsehsender BFMTV. „Es liegt in unserer Verantwortung, diese Arbeit jetzt zu tun. Wenn wir das alles jetzt nicht täten, würden wir den Generationen nach uns nicht die Möglichkeit geben, in einer Stadt wie Paris gut zu leben.“
Foto: Schulstraße Rue Charles Baudelaire, Paris / Copyright: ©Toblek_QIMBY
Auch kleine Klimamaßnahmen wirken
Für Mobilitätsberater Burkhard Horn sind die bekannten Projekte – etwa die breiten Geh- und Fahrradwege auf der bei Touristen beliebten Rue de Rivoli, die an Rathaus und Louvre vorbeiführt – eher Symbole, die für den Wandel stehen. „Wichtiger ist, dass das Konzept von vornherein auch in die Fläche gedacht war und sich in vielen kleinteiligen Maßnahmen niedergeschlagen hat.“ Horn verweist auf die zahlreichen kleinen Flächenbegrünungen, die Schulstraßenkonzepte, die Fahrradwege jenseits der großen Straßenachsen, die Reduzierung von Parkplätzen. So sind in sämtlichen Pariser Quartieren bestehende Plätze zu neuen, beliebten Aufenthaltsorten geworden. Dazu braucht es oft keine großen Maßnahmen. Ein paar Bänke oder Blumenkübel genügen meist schon als erste Schritte, um einen Platz attraktiver zu machen. „Das klingt nicht revolutionär, aber wenn man es gut macht, hat es trotzdem einen großen Effekt – weil fast alle Pariser davon profitieren“, sagt Horn.
Paris: die 15-Minuten-Stadt
Die Kampagne vor ihrer Wiederwahl 2020 bestritt Hidalgo mit dem Konzept der 15-Minuten-Stadt des Stadtforschers Carlos Moreno. Die Idee dahinter: Wo auch immer man in der Stadt wohnt, soll binnen 15 Minuten alles erreichbar sein, was man im Alltag braucht – zu Fuß oder mit dem Fahrrad, versteht sich. Aus Sicht von Horn ist dieses Konzept nicht unbedingt neu. Er verweist auf das schon länger propagierte Ziel der „Stadt der kurzen Wege“ und die gemischten Strukturen europäischer Städte. Aber der Grundsatz, der dahinter steckt, sei selbstverständlich wichtig: „Wenn Arbeiten, Ausbildung, Freizeit, Einkaufen, Versorgung und Wohnen dicht beieinanderliegen, sind die Wege kurz und man kann auf das Auto verzichten.“
Kritik gab es länger daran, dass die Pariser Vororte bei der Transformation der Stadt außen vor bleiben. Doch das ändert sich gerade. Auch die Banlieues in der die Metropole umgebenden Region Île-de-France profitieren nun von dem Wandel. Hier entsteht seit 2016 ein neues Schienennetz, Grand Paris Express genannt. Sechs fahrerlose U-Bahn-Linien sollen mit der Pariser Métro vernetzt werden, eine Métro-Endstation ist mit einer Seilbahn an weitere Wohnquartiere angebunden, auch die Banlieues untereinander sollen künftig besser verbunden sein. „Das ist wirklich sehr beeindruckend, wie dort vergleichsweise schnell Schieneninfrastruktur ausgebaut wird“, sagt Horn. „Wenn man das sieht, denkt man unweigerlich: Wäre das schön, wenn das in Deutschland auch so schnell gehen würde mit dem Ausbau der Infrastruktur.“
Foto: Place de Catalogne / Copyright: Guillaume Bontemps, Ville de Paris
Urbane Transformation: Mut und Weitblick zahlen sich aus
Für den Stadt- und Verkehrsplaner Jörg Thiemann-Linden aus Bonn ist Paris das beste Beispiel dafür, dass sich politischer Mut auszahlt, die Verantwortlichen auch einmal Kritik aushalten und neue Wege einschlagen müssen. „In Paris haben die Verantwortlichen das durchgestanden, obwohl auch hier Vieles politisch sehr kontrovers war und Menschen geklagt haben.“ Auch der neu gewählte Pariser Bürgermeister Emmanuel Grégoire will den Kurs seiner Vorgängerin beibehalten und die Transformation der Metropole weiter vorantreiben – ein Zeichen dafür, dass die grüne Transformation in der französischen Hauptstadt viel Zuspruch findet.
Selbstverständlich lässt sich der Umbau von Paris zur grünen Metropole nicht eins zu eins auf andere Großstädte übertragen. Die französische Hauptstadt ist recht klein, und wer hier auf beengtem Raum wohnt, sieht die Vorteile der Fahrradstraßen eher als jemand, der in einem Berliner Randbezirk lebt – aber über die Verkehrspolitik in der Innenstadt mitentscheidet. Dennoch macht die französische Hauptstadt vor, dass der große Wandel vor allem dank der kleinen Maßnahmen gelingt. Die sind schnell sichtbar, und das schätzen die Bewohner, sagt Verkehrsplaner Horn. „So haben die Menschen das Gefühl: Der Umbau ist wirklich ernst gemeint. Und sie sehen auch ihren eigenen Vorteil.“ Akzeptanz entstehe vor allem dadurch, dass sich das Leben der Menschen verbessert. „Den Nutzen im Alltag schnell spürbar zu machen, das ist in Paris gelungen.“
500 neue autofreie Straßen
soll es in Paris geben. Dafür stimmten rund zwei Drittel der Pariser bei einer Bürgerbefragung 2025.
Quelle: Paris.fr
470 Bäume
wurden auf der Place de Catalogne gepflanzt.
Quelle: Paris-blog.org
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