Urbane Rohstoffminen
Das Unternehmen Madaster will im Sinne des Urban Mining Gebäude zu Rohstoffquellen machen. Die Niederländer sammeln dafür in einer Datenbank Informationen zu wiederverwertbaren Rohstoffen in Gebäuden. Bauherren, Architekten und Materialhersteller können so dazu beitragen, das Abfall- und Rohstoffproblem der Bauwirtschaft zu reduzieren.
Die Bauwirtschaft in Deutschland boomt, es entstehen unzählige neue Wohnungen, Büros und Geschäfte. Neubauprojekte schaffen zwar dringend benötigten Raum, ihre Umweltbilanz ist aber oft katastrophal. Denn der Gebäudebau verschlingt nicht nur endliche Ressourcen, sondern produziert während der Bauphase und in den Jahren danach viele Tonnen Abfall und CO2. Während für neue Gebäude Rohstoffe aus den Böden geholt werden, enden wertvolle Bestandteile abgerissener Gebäude als Straßenbelag oder als Müll in Deponien. Kreislaufwirtschaft sieht anders aus. Doch dank dem niederländischen Unternehmen Madaster könnte sich das in Zukunft ändern – denn oft ist Unwissen der Grund dafür, dass Materialien aus Abbruchhäusern nicht wiederverwertet werden.
Madaster möchte mithilfe eines Rohstoffarchivs diese Wissenslücke schließen. Die Idee: „Unsere Datenbank soll in Zukunft die Rohstoffgewinnung in Städten ermöglichen – aus Gebäuden, die saniert oder abgerissen werden“, sagt Patrick Bergmann, Geschäftsführer von Madaster Deutschland. Dazu sollen Architekten und Bauherren künftig online registrieren, wie viel Holz, Stahl, Beton und andere Baustoffe sie wo verwenden. Zu jedem Baustoff werden weitere Informationen hinterlegt, etwa Qualität und Herkunft. Wenn ein Gebäude Jahre später renoviert oder abgerissen wird, lässt sich wie in einem Katalog nachschauen, welche Bauteile oder Materialien für die Wiederverwendung bereitstehen – und wo sie verbaut sind. „Materialien eine Identität geben“, nennen sie das bei Madaster. „Denn nur Materialien mit einer Identität können später recycelt und wiederverwendet werden“, erklärt Bergmann.
Zum Zeitpunkt des Baus eines Gebäudes denken nur die wenigsten Architekten und Bauherren an den späteren Abriss. Dennoch gibt es gute Gründe, Madaster Informationen zur Verfügung zu stellen. „Nachhaltiges Bauen bringt Bauherren und Architekten einen Imagegewinn, lohnt sich aber auch ökonomisch“, erklärt Bergmann. Viele Immobilieninvestoren wollen außerdem den ökologischen Fußabdruck ihrer Portfolios angeben – und dazu brauchen sie Informationen über die verwendeten Baumaterialien. Denn Sustainable Finance hat längst auch die Immobilienbranche erreicht, und immer mehr Investoren sind auf der Suche nach Projekten, die auf ökologische Nachhaltigkeit setzen. „In Zukunft wird es auch bei der Bewertung von Immobilien wichtig sein zu wissen, wie ihre Umweltbilanz insgesamt aussieht“, ist Bergmann überzeugt.
Um ein ganzheitliches Bild der verwendeten Materialien in einem Gebäude zu haben, werden die Angaben der Architekten im Materialarchiv von Madaster im besten Fall von Produktherstellern um weitere Informationen ergänzt. „Wir konnten bereits verschiedene Hersteller zum Beispiel von Fenstern oder Badgarnituren dafür gewinnen“ berichtet Bergmann. Denn es zeigte sich, dass Hersteller selbst ein großes Interesse daran haben, Produkte zurückzunehmen. Fenstergriffe oder Badgarnituren sind beim Abriss eines Gebäudes oft noch zu gut für die Tonne. Durch eine Wiederverwertung können sich Hersteller mehrere Produktionsschritte sparen. „Wenn wir Gebäude als Materialdepots verstehen, werden Hersteller informiert, wenn ein Gebäude rückgebaut wird und sie ihre Produkte oder Materialien zurücknehmen können“ erklärt Bergmann.
Die Idee für Madaster entstand vor rund zehn Jahren. Der Architekt Thomas Rau wollte einen anderen Umgang mit Rohstoffen ermöglichen und sie bestenfalls endlos wiederverwerten. Ihm war klar, dass im Gebäudebau große Chancen liegen. Denn bisher weiß nach Abschluss der Bauarbeiten niemand genau, welche Materialien wo in einem Gebäude verbaut sind.
Deutschland-Manager Bergmann glaubt fest daran, dass Madaster in den kommenden Jahren einen entscheidenden Beitrag zur zirkulären Nutzung von Baustoffen leisten kann. „Je mehr Daten wir über Gebäude speichern, desto besser können Städte in Zukunft als Baustoffdepots dienen.“ Inzwischen sind bereits mehr als 3.000 Gebäude auf rund 12 Millionen Quadratmetern in dem Archiv erfasst. Und Madaster hat ehrgeizige Pläne: Allein in Deutschland sollen bis zum Jahr 2025 über 10.000 Gebäude in dem Materialkataster registriert sein.
230,9 Millionen Tonnen
Bau- und Abbruchabfälle aus dem Bausektor in Deutschland im Jahr 2019
Quelle: Statistisches Bundesamt
5 Prozent
Anteil der Gebäudebau-Abfälle, die für den Hochbau recycelt werden
Quelle: Fraunhofer IBP
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