Lädst du noch oder fährst du schon?
Ob in der Stadt oder auf langen Strecken: Wer elektrisch fährt, braucht zuverlässige und einfach zugängliche Lademöglichkeiten. Kommunen, Hersteller und Forscher setzen auf innovative Lösungen – von Ladelaternen und Ladebordsteinen über Batteriewechselstationen bis hin zu kabellosen, induktiven Systemen.
Die Verkehrswende geht voran, jedoch langsamer als geplant: Etwa zwei Millionen E-Fahrzeuge sind derzeit auf deutschen Straßen unterwegs. Aktuell gibt es deutschlandweit rund 180.000 öffentliche Ladepunkte, etwa ein Viertel davon sind Schnelllader. „Damit haben wir bundesweit im Durchschnitt eigentlich mehr als genug Lademöglichkeiten. Allerdings muss man hier genauer hinschauen, der Ausbau von Ladeinfrastruktur ist nicht gleichverteilt“, sagt Sebastian Lahmann, Teamleiter Technik & Netz bei der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur der NOW GmbH. Ein Blick in die jeweiligen Kommunen zeigt ein differenziertes Bild: in einigen ist ausreichend Ladeinfrastruktur vorhanden, in anderen ist der Bedarf bei Weitem nicht gedeckt. Vor allem in Großstädten besitzen viele Menschen keinen eigenen Stellplatz. Sie sind auf öffentliche Ladepunkte angewiesen – die vielerorts nicht in ausreichender Anzahl vorhanden sind. Um das Laden besser zugänglich zu machen, entwickeln Unternehmen, Forschung und Kommunen neue Konzepte. Te:nor stellt fünf Ideen vor, die das Laden im öffentlichen Raum neu denken.
1. Strom aus der Straßenlaterne
Dortmund setzt auf Ladelaternen. Mit ihrem NOx-Block-Projekt rüstete die Stadt 320 Straßenlaternen mit Ladepunkten aus, um E-Mobilität zu fördern und damit Emissionen zu senken. Der Ladepunkt wird direkt an die Laterne montiert und an das Stromnetz der Straßenbeleuchtung angeschlossen – ohne aufwendige und teure Erdarbeiten zur Kabelverlegung. Mit zehn Millionen Euro Fördergeldern aus dem Sofortprogramm Saubere Luft konnte die Stadt ihre Investitionskosten decken.
Die Ladelaternen liefern bis zu elf Kilowatt (kW) Leistung – Schnellladen ist damit also nicht möglich. Zu beachten ist außerdem: Nicht alle Laternenstandorte eignen sich dafür, etwa wenn der Gehweg zu schmal wird, keine Barrierefreiheit gewährleistet ist oder die Kabelführung dies nicht zulassen. Ein weiterer Punkt ist die aufwendige Kontrolle, da die Ladepunkte großräumig verteilt sind und leicht von Falschparkern blockiert werden können. Die Stadt Dortmund hat auf diese Herausforderung reagiert und Bodenmarkierungen sowie Beschilderungen nachträglich angebracht. Unterm Strich überwiegen die Vorteile. Dortmund installiert daher 800 weitere Ladelaternen. Auch andere Städte setzen auf das Konzept: In Berlin gibt es bereits mehr als 950 öffentliche Ladelaternen, in London sogar rund 11.500.
2. Laden am Bordstein
Die Stadt Köln hat im Jahr 2025 Ladebordsteine getestet. Die Elektronik steckt direkt im Bordstein, das Kabel wird einfach an der Fahrbahnseite angeschlossen. Die Technik ist robust, wetterfest und lässt sich bei Bedarf schnell austauschen. Die Pilotphase verlief positiv: Es wurden rund 2.800 Ladevorgänge durchgeführt. „Ladebordsteine benötigen keinen zusätzlichen Platzbedarf im ohnehin engen Straßenraum und fügen sich fast unsichtbar in das Stadtbild ein“, sagt Christoph Müller, CEO der Rheinmetall-Division Power Systems bei der Einführung. Doch ihre Unauffälligkeit ist auch ihre Schwäche: E-Autofahrer finden die Ladepunkte oft nur per App.
Die Kosten liegen mit etwa 5.000 Euro pro Bordstein etwas höher als bei klassischen Ladesäulen. Köln plant dennoch die flächendeckende Einführung. Auch die Stadt Düsseldorf hat 2025 erste Ladebordsteine installiert.
3. Tauschen statt laden: Power Swap Stations
Einen anderen Ansatz verfolgt der chinesische Autohersteller NIO: Anstatt zu laden, tauschen Nutzer die Batterie an Power Swap Stations vollautomatisch in nur drei Minuten aus. Seit 2022 gibt es solche Stationen an 21 autobahnnahen Standorten in Deutschland. Jede Station kann bis zu 312 Batterien pro Tag tauschen und bis zu 20 Batterien gleichzeitig laden – das verlängert die Lebensdauer der Akkus , weil sie langsamer geladen werden. Zudem ist der Wechsel zwischen verschiedenen Batteriegrößen und zu neuen Modellen möglich. Die bisherigen Erfahrungen zeigen eine sehr hohe Akzeptanz von 4,7 von 5 Sternen bei der Bewertung in der Nio-App.
Noch ist die Technik nur für NIO-Modelle verfügbar, aber das System könnte auch für andere Marken und besonders für Flotten im Fernverkehr interessant sein. Der schnelle Wechsel spart Zeit und macht lange Ladepausen überflüssig. Allerdings sind die Investitionskosten hoch – die Stationen lohnen sich bislang nur an Standorten mit hoher Nachfrage.
4. Kabellose Induktionsparkplätze
Laden geht auch ohne Kabel. Die Technik funktioniert wie bei einer Induktionskochplatte: Magnetspulen im Boden übertragen Energie zum parkenden Fahrzeug. Das Forschungsprojekt LISA4CL, das vom Bundesverkehrsministerium mit 1,6 Millionen Euro gefördert und unter der Leitung der TU Braunschweig durchgeführt wurde zeigt, dass das System zuverlässig funktioniert. Es schafft bis zu 22 kW Ladeleistung bei einem Wirkungsgrad von mehr als 90 Prozent. „Intelligente Ladekonzepte sind unabdingbar für die Netz- und Systemintegration von Elektrofahrzeugen. Sie ermöglichen einen ökologisch sowie ökonomisch optimierten Betrieb von Elektrofahrzeugflotten“, sagt Professor Bernd Engel, Institutsleiter an der TU Braunschweig. Noch fehlt es jedoch an einem Standard für Technik und Fahrzeuge. Hinzu kommt, dass die Induktionsplatten und ihre Ladeinfrastruktur noch recht kostspielig sind.
5. Laden unterwegs
Induktives Laden während der Fahrt geht noch einen Schritt weiter. Auf einem Autobahnabschnitt in Bayern hat die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg unter dem Asphalt Kupferspulen verlegt, um dieses Konzept mit entsprechend ausgerüsteten Fahrzeugen zu testen. Ähnliche Projekte gab es auch in Schweden, Frankreich, Israel und in den USA.
Das Laden während der Fahrt macht Ladepausen und Kabel komplett überflüssig. „Fahrzeuge könnten mit kleineren, ressourcenschonenden Akkus auskommen und so Gewicht und Rohstoffe sparen“, sagt Projektleiter Florian Risch. Doch noch sind die Investitionen hoch: Die Verlegung der Magnetspulen kostet etwa zwei Millionen Euro pro Kilometer und Spur, könnte sich aber perspektivisch durch Skaleneffekte halbieren – vorausgesetzt, es bilden sich weit verbreitete Standards heraus. Induktive Straßen könnten vor allem in Kombination mit autonomen Fahrzeugen zur Zukunftslösung werden.
E-Mobilität braucht pragmatische Alltagslösungen
Bis 2030 werden laut Berechnungen der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur zwischen 380.000 und 680.000 zusätzliche öffentliche Ladepunkte benötigt – je nachdem, wie sich Markt und Nutzerverhalten entwickeln. Damit Elektromobilität weiter an Akzeptanz gewinnt, kommt es auf kontinuierlichen Ausbau und Verfügbarkeit an. Experte Lahmann betont: „Auch wenn die Zulassungszahlen schwanken, muss der Ausbau weitergehen, damit sich das Vertrauen in die Elektromobilität festigt und der künftige Bedarf an Ladeinfrastruktur gedeckt werden kann.“
7,77 Gigawatt
Leistung stehen insgesamt im deutschen Ladenetz gleichzeitig zur Verfügung.
Quelle: Bundesnetzagentur, Stand: Dezember 2025
545.000 reine Batterieautos
sind im Jahr 2025 neu auf die Straße gekommen.
Quelle: Kraftfahrt-Bundesamt
Saubere, sichere und nahezu unerschöpfliche Energie – Fusionskraft gilt als Hoffnungsträger für die Energieversorgung der Zukunft. Besonders weit fortgeschritten ist das Verfahren der Magnetfusion. Sibylle Günter, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP), erklärt im Interview, wie Magnetfusion funktioniert, an welchem Punkt die Forschung steht und wann das erste Kraftwerk ans Netz gehen könnte.
Ob Hochhaus, Bürokomplex, Lagerhalle oder Parkhaus – im urbanen Raum prägen Betonfassaden das Bild. Diese Flächen könnte man nutzen, um Schadstoffe aus der Luft zu filtern. Eine luftreinigende Textilfassade an der Volkshochschule in Köln zeigt: Die Idee ist alles andere als aus der Luft gegriffen.
Deutschland schaltet bei zu starkem Wind Windparks ab, weil für überschüssigen Strom die passenden Speicher fehlen. Doch bald könnten riesige Betonkugeln Strom im Meer speichern und das Netz entlasten – als Pumpspeicherkraftwerke am Meeresboden.
Begrünte Hausfassaden kühlen die Umgebung ab und schaffen neuen Lebensraum. Ein besonderes Beispiel: die Wilde Klimawand am Fraunhofer Campus in Stuttgart. Jonathan Müller von Helix Pflanzensysteme hat das Grün entworfen und realisiert.