Projektmanagement im grünen Bereich
Naturschutz braucht mehr als Fachwissen: Die Frankfurt Spring School, die vom Frankfurt Conservation Center und weiteren Partnerorganisationen organisiert und durchgeführt wird, qualifiziert Nachwuchskräfte im Management internationaler Naturschutzprojekte. Zwei Alumni erklären, wie sie gelernt haben, Naturschutz erfolgreich zu managen.
Naturschutz ist ein Zusammenspiel von Ökologie, Finanzierung, Politik und lokaler Projektarbeit. Und genau da liegt eine strukturelle Herausforderung: Viele Fachkräfte sind zwar wissenschaftlich exzellent ausgebildet, doch fehlen ihnen häufig die Kenntnisse, um Projekte erfolgreich umzusetzen. Mit der Frankfurt Spring School on Conservation Project Management (Frankfurt Spring School) will die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) diese Lücke schließen und bietet jungen Naturschutzbegeisterten eine Weiterbildung im Projektmanagement. Das Ziel: Naturschutz managen.
Vom Studium in den Projektalltag
Für Björn Hauschildt, Absolvent des allerersten Jahrgangs 2017, kam dieses Weiterbildungsangebot genau zum richtigen Zeitpunkt. Nach dem Biologiestudium hatte er zunächst freiberuflich als Vogel- und Fledermauskartierer gearbeitet. Heute ist er Koordinator für Biodiversitätsberatung im Regierungsbezirk Oberbayern. Die in der Spring School erworbenen Projektmanagement-Kompetenzen helfen dem 36-Jährigen dabei, Naturschutzprojekte fachlich einzuordnen, Ziele klar und messbar zu formulieren und Kolleginnen und Kollegen für eine strukturierte Planung zu sensibilisieren. „Das stark wissenschaftlich ausgerichtete Studium hat mich nicht ausreichend auf die vielfältigen Anforderungen im Berufsleben außerhalb der Universität vorbereitet“, sagt er rückblickend.
Genau hier setzt der Intensivkurs der ZGF an: Vier Wochen lang tauchen Studierende, Berufseinsteiger und junge Fachkräfte in die Projektpraxis ein. In 13 Modulen vermitteln Expertinnen und Experten zum Beispiel, wie man ein Projekt plant, ein Budget kalkuliert oder auch ein Remote-Team leitet. „Im Studium geht es um fachliche Inhalte. Unser Crashkurs vermittelt das Handwerkszeug, damit Projekte langfristig funktionieren“, erklärt Amy Forster. Gemeinsam mit Tim Milz koordiniert sie mittlerweile die Frankfurt Spring School, an der beide jeweils selbst teilgenommen haben.
Zwischen Februar und März absolvieren jährlich 32 Teilnehmende den Intensivkurs in Vollzeit. Die Teilnahmegebühr beträgt aktuell 200 Euro. Studierende, die BaföG-Leistungen erhalten, zahlen 100 Euro. Wer noch studiert, kann sich die Frankfurt Spring School zudem mit sieben Credit Points als Studienleistung anrechnen lassen.
Projektmanagement für die Umwelt
Zum Einstieg bietet das Seminar zunächst Theorie: Die Teilnehmenden lernen Projektmanagement-Werkzeuge kennen, die ihnen dabei helfen sollen, Probleme, Ziele und Maßnahmen klar zu strukturieren. „Viele Projekte scheitern nicht am Geld, sondern an der unzureichenden Zieldefinition während der Planungsphase des Projektes“, weiß Absolvent Björn Hauschildt.
Ab der zweiten Woche wird das Seminar aber schnell praktisch: Die Teilnehmenden wenden das Gelernte auf konkrete Projekte an. Herzstück dieser Phase ist das Fellowship-Programm, ein zentraler Bestandteil der Frankfurt Spring School. Dafür lädt die KfW Stiftung sechs Nachwuchs-Naturschützerinnen und -schützer aus Ländern des Globalen Südens nach Frankfurt ein. Sie bringen eigene Projektideen aus ihren Heimatregionen mit – etwa zum Schutz bedrohter Arten oder Lebensräume. Gemeinsam mit den übrigen Kursteilnehmenden entwickeln sie diese Vorhaben systematisch weiter. Aus ersten Konzepten entstehen auf diese Weise belastbare Projektanträge, inklusive Maßnahmenplanung und Budget. Drei dieser Vorhaben erhalten im Anschluss eine Förderung von jeweils 50.000 Euro. „Das ist kein Planspiel“, betont Tim Milz. „Das sind reale Projekte, die anschließend umgesetzt werden.“
Fit für den Berufsalltag
Auch Justine Vansynghel, Alumna des Jahrgangs von 2024, suchte noch während ihrer Promotion in Biologie bewusst den Schritt aus der akademischen Welt in die Praxis. „Ich wollte unbedingt im internationalen Naturschutz arbeiten, aber dafür braucht man die richtigen Skills.“ In Frankfurt saß sie plötzlich mit Teilnehmenden aus Georgien und Peru im Hörsaal. „Ich hatte sofort das Gefühl, am richtigen Ort zu sein.“ Besonders hilfreich seien die Module zur Kommunikation und internationalen Antragstellung gewesen.
Heute arbeitet die 32-Jährige für EuroNatur – Stiftung Europäisches Naturerbe und koordiniert internationale Vogelschutz-Projekte, unter anderem in der Ukraine und auf dem Balkan. Dass sie mit verschiedenen Förderlogiken, Partnerorganisationen und Projektmitteln in unterschiedlichen Währungen souverän umgehen kann, führt sie auch auf die Spring School zurück. Sei es die Präsentation von Projektergebnissen oder Details wie Bildrechte: „Das sind kleine Dinge, aber sie entscheiden darüber, ob ein Projekt reibungslos abläuft“, sagt Vansynghel.
Ein Netzwerk für den Naturschutz
Exkursionen ins Frankfurter Umland sowie Diskussionsabende regen den Austausch zwischen den Teilnehmenden, sie sind deshalb fester Bestandteil des Programms. In den vergangenen Jahren hat sich das Curriculum weiterentwickelt: So liegt der Fokus immer öfter auf der Zusammenarbeit mit lokalen Gemeinschaften und indigenen Völkern. „Naturschutz funktioniert nur mit den Menschen vor Ort“, sagt Forster. „Sie sind keine Hürde, sondern oft die besten Hüter ihrer Umwelt.“
Seit 2017 haben mehr als 230 Fachkräfte die Spring School absolviert. Viele arbeiten heute in Behörden, bei NGOs oder internationalen Organisationen. „Wir sind über ganz Europa verteilt, mit mehreren Ehemaligen stehe ich immer noch in Kontakt“, erzählt Hauschildt. Für die ZGF ist genau das ein Erfolgskriterium. „Unser Ziel ist nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern Naturschutzprofis langfristig untereinander zu vernetzen“, erklärt Forster.
Im kommenden Jahr feiert die Frankfurt Spring School ihr zehnjähriges Jubiläum. Ein großes Wiedersehen mit Ehemaligen aus aller Welt ist bereits in Planung. Zuvor ist jedoch im Februar 2026 schon der nächste Jahrgang gestartet: Vier Wochen, die für viele mehr sind als eine Fortbildung. Es ist der Moment, in dem aus engagierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern echte Naturschutzprofis werden.
2,1 Prozent
des Bruttoinlandprodukts gaben Staat, Unternehmen und private Haushalte 2022 für den Umweltschutz aus.
Quelle: Statistisches Bundesamt
1.677 Arten
von 15.060 bewerteten europäischen Arten sind laut Roter Liste der IUCN vom Aussterben bedroht.
Quelle: Europäisches Parlament
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